von Dr. G, Kempf, Imkermeister

 

Entstehung von Allergien:

Bei Kontakt mit körperfremden Substanzen entwickelt unser Körper ein Abwehrsystem durch Bildung von Antikörpern. Im Normalfall werden diese körperfremden Substanzen bei weiteren Kontakten von den Antikörpern abgefangen, und neutralisiert.

Bei Allergie jedoch kommt es zu einer unangemessen starken Reaktion:

Die Antikörper lagern sich an bestimmte Zellen im Blut und in anderen Körpergeweben (Mastzellen) und führen zur so-fortigen Freisetzung von Botenstoffen. Diese führen innerhalb von Sekunden bis Minuten zu örtlichen Reaktionen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen: …

 

1. Lokale Reaktion:

Entzündungszeichen an der Einstichstelle (Quaddel), kann Vorbote für eine systemische Reaktion sein!

2. Schweregrade bei systemischer Reaktion:

2.1 Leichte Allgemeinreaktion, z.B. Quaddeln auch außerhalb des Stichbereichs, juckender Ausschlag.

2.2 Mittelschwere Allgemeinreaktion: Augentrönen, Naselaufen, Schwellung der Augenlider u. Lippen, Übelkeit, erschwertes Atmen, Schweißausbruch, Angstgefühl.

2.3 Schwere Allgemeinreaktion: Atemnot durch Schwellung der oberen Luftwege, asthmatische Atmung, Erbrechen.

2.4 Anaphylaktischer Schock: lebensbedrohlicher Zustand mit Zusammenbruch des Kreislaufs, kalter Schweiß, blaß-lau-graue Gesichtsfarbe, blaue Lippen, schwere Atemnot durch Verkrampfung der Bronchien und Schwellung des Kehldeckels, rasender, kaum tastbarer Puls, Ohnmacht, Krömpfe, Tod.

 

Todesfälle:

In Deutschland sterben in jedem Jahr etwa 14 Menschen an den Folgen von Insektenstichen, in der Mehrzahl durch Bienenstiche! Davon sind 19 % nicht allergisch bedingt (z.B. Stich in die Luftwege) 81 % durch systemische allergische Reaktion. Anföllig für Allergien sind Menschen mit bestimmten Erbanlagen und mit bestimmter Exposition. Beispielsweise kommt es zu besonders hoher Antikörperproduktion bei kurzen Stich-Intervallen, (unter 2 Monaten), deshalb sind Imker besonders geföhrdet! Wichtigste und wirksamste Vorbeugung bei Bienengiftallergie ist eine Hyposensibilisierungsbehandlung: durch Injektion gereinigten Bienengiftes in steigender Dosierung kommt es zur “Gewöhnung” des Immunsystems an das Allergen. Erfolgsrate: 99%!

 

Wie verhalte ich mich bei Bienenstichen?

Prinzipiell: Nichtstun kann als unterlassene Hilfeleistung bestraft werden.

Falsche Behandlung durch einen Nichtmediziner hat keine strafrechtlichen Folgen.

 

1. Gebot: Ruhe bewahren!

Der Verletzte muß jederzeit das Gefühl haben, daß der Betreuer das Geschehen voll im Griff hat, denn Angst beim Betroffenen verstörkt ganz erheblich das Ausmaß der allergischen Reaktion.

 

2. Den Verletzten aus dem Gefahrenbereich bringen

 

3. Stachel entfernen

 

4. Geföhrdung beurteilen durch Befragung und Augenschein:

Ist der Betroffene Allergiker?

Sind Heuschnupfen, Bindehautentzündungen oder Asthma bekannt?

Ist eine Bienengiftallergie bekannt?

Welcher Schweregrad liegt vor?

 

Maßnahmen:

bei Lokalreaktionen:

beruhigend einwirken!

Insektenstichsalbe lokal anwenden.

Eiswürfel, ötherisches Öl, etc. tun es auch.

bei Allgemeinreaktionen:

Schweregrad abschötzen:

bei leichten Allgemeinreaktionen ein Antiallergikum oder Kalzium als Trinkampulle verabreichen (rezeptfrei erhöltlich).

Unbedingt den weiteren Verlauf beobachten!

Bei Verschlechterung, bei mittelschwerer und schwerer Allgemeinreaktion:

je nach Schwere der Erscheinungen nöchsten Arzt, Notarztwagen oder Rettungshubschrauber rufen (Handy sollte greifbar sein!), beim Patienten bleiben!

Sofortbehandlung bei schwerer Allgemeinreaktion:

Patient flach und warm lagern

InfektoKrupp lnhal anwenden:

Lösungsmittel aus der Kunststoffampulle in die Glasflasche geben, dem Patienten 2 Sprühstöße tief In den Rachen sprühen, Patient soll wöhrend des Sprühens einatmen.

falls erforderlich: nach 5 Min. wiederholen,

für einen anwesenden Arzt:

Adrenalin (Epinephrin HCI Amp. 1 ml = 1 mg)

für Erwachsene: 0,3 mg streng s.c. evtl. nach 10-15 Min. wiederholen

für Kinder: 0,01 mg/kg Körpergewicht s.c.